Gebackener Mini-Camembert

Um nicht der Schleichwerbung geziehen zu werden, sei vorausgeschickt, dass man als Feinschmecker die Weichkäse der französischen Firma Géramont wahrscheinlich nicht mögen darf, da es sich um industrielle Massenprodukte handelt, die in zahlreichen Diversifikationen in nahezu jedem Supermarkt erhältlich sind. Sicherlich rührt hierfür kein romantischer Senner auf der dritten Alm von links mit den glücklichen Bergkühen sein individuelles Lab, um seinen eigenen, unverwechselbaren, individuellen Käsegeschmack herzustellen, Géramont stammt aus wahrscheinlich wenig romantischen Käsefabriken mit schlecht bezahlten Milchlieferanten und vollautomatisierten und -standardisierten Produktionsprozessen, allein schon um die Unmengen an Käse herstellen zu können. Und doch muss ich sagen, als geschmacks-leichten, unkomplizierten, lange haltbaren Alltags-Käse mag ich den Géramont durchaus mal; auf eine Platte mit feinen, affinierten Käsen zum Abschluss eines Menues würde ich ihn eher nicht legen, aber für das Käsebrot zwischendurch taugt er durchaus, zumal er auch einmal angeschnitten noch lange haltbar ist, welche Teufeleien der Lebensmittelchemie auch immer dahinterstecken mögen.

Seit 2011 gibt es Géramont Camembert auch in kleinen, separat verpackten 50 Gramm Stücken, nicht etwa als abgeschnittene Schnitze von einem großen Laib, sondern als komplette winzige Käse, vollständig umhüllt von einer Edelschimmel-Haut, im Kilopreis natürlich deutlich teurer als die großen Stücke und auch mit mehr Verpackungs-Aufwand und -müll, aber was will man machen in einem kleinen Haushalt mit nur geringem Käse-Durchsatz?

Gebackenen Camembert würde ich zwar nicht als Delikatesse, so doch als zuweilen sehr leckeres Gericht bezeichnen, Weichkäse in einer Bröselpanade frittiert, bis er außen schön kross ist und der Käse in der Panadehülle zerläuft und sein volles Aroma entfaltet. Das Problem dabei ist allerdings, dass man dazu ganze Käselaibe samt Edelschimmelhaut braucht, mit abgeschnitten Käsestückchen ohne Haut wird das Ganze nur ein Baz. Die meisten handelsüblichen echten französischen Camemberts haben ein Gewicht von 250 Gramm, die kleinsten von 125, selten 100 Gramm (von Champignon gibt’s noch 40 Gramm Camembert-Ecken). Und selbst frittierter Camembert mit 100 Gramm Käse ist vom Sättigungsgrad her schon fast (aber eben nur fast) ein Hauptgericht, zu viel für eine Vorspeise, zu wenig für eine Hauptspeise. Und da kommt nun der 50 Gramm Géramont in’s Spiel, der frittiert ist genau eine ordentliche Vorspeisenportion für eine Person. Und das geht so:

Zutaten (für 2 Vorspeisen-Portionen):

  • 2 Géramont à 50 g
  • 1 Ei
  • Semmelbrösel
  • Salz
  • Frittierfett
  • Preiselbeerkompott

Zubereitung:

  • Ei aufschlagen, auf einem kleinen Teller/Schälchen verquirlen; auf einen zweiten Teller/Schälchen ca. 2 gehäufte Essl. Semmelbrösel geben, diese leicht salzen
  • Camemberts nacheinander zuerst vollständig im Ei, dann in den Semmelbröseln wenden, bis beide Käse vollständig mit Bröseln bedeckt sind; sollte danach noch Ei übrig sein, Vorgang getrost wiederholen, bis das Ei aufgebraucht ist
  • Kleinen, hohen Topf (etwas größer als die beiden Camemberts) so hoch mit neutralem Frittierfett befüllen, dass die panierten Camemberts gerade darin schwimmen können; Fett auf 190° erhitzen (wer kein passendes Thermometer hat, von einem Holzstiel, den man in das Fett taucht, müssen gut Blasen aufsteigen)
  • Panierte Camemberts in das heiße Öl legen (Vorsicht, das kann spritzen und schäumen), unter gelegentlichem leichtem Anstupsen und Bewegen frittieren, die Käsestückchen nach ca. 2 bis 3 min. wenden
  • Wenn die Käsestückchen rundum schön braun gebacken sind, aus dem Fett heben, auf Küchenpapier rundum entfetten
  • Gebackenen Camembert mit Preiselbeerkompott und Toast servieren
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