Essen in USA (13/19): Ramada und Pizza Hut

Mit einer Mischung aus Mißvergnügtheit, Übelkeit und Hunger fahren wir weiter nach Westen. Durch puren Zufall geraten wir in die Murmeltierstadt mit dem unaussprechlichen Namen Punxsutawney. Wir bemerken das aber erst, als wir buchstäblich vor jedem zweiten Haus mannshohe Murmeltiere aus Pappmache in unterschiedlichsten Posen wahrnehmen, alle niedlich mit Kindchenschemata modelliert, die könnten glatt aus den Disney-Studios stammen, die meisten mit Reklameschildern in den niedlichen Pfoten. Hier holen jedes Jahr zu Maria Lichtmess altertümlich gekleidete Männer mit Zylinder unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und großem weltweitem Medienrummel ein Murmeltier aus seinem Winterlager und prophezeien dann das Wetter für die nächsten 6 Wochen. Den Rest des Jahres scheint der Ort dann von diesem einmaligen Murmeltier-Medienrummel zu leben. Dabei ist Punxsutawney ein regelrecht hübsches Städtchen mit echtem, altem Stadtkern und einer Hauptstraße mit kleinen Ladengeschäften, hier wachte Bill Murray in dem Firm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ solange Morgen um Morgen um 6 Uhr, gefangen in einer Zeitschleife auf, bis er ein besserer Mensch geworden war, wenngleich die Dreharbeiten in dem rund 970 Kilometer entfernten Woodstock (Illinois) stattfanden. Fast wie bei einem schlechten Witz verirren wir uns tatsächlich in der weitläufigen, schlecht beschilderten Kleinstadt und fahren ein paarmal im Kreis, bevor wir wieder herausfinden, aber wir entkommen der Kleinstadt ohne Zeitschleifen-Falle.

Eine knappe Stunde später wird es Abend, wir mieten uns im Ramada by Wyndham am Stadtrand von Clarion ein. Ramada, so denkt sich der Deutsche, hässlicher, aber solider Vier-Sterne-Standard in verkehrsgünstiger Lage zu erschwinglichen Preisen. So kann einen das Marken-Klischee foppen und neppen. Ramada Clairon: großartige Vorfahrt, aber doch nur Holz und Pappmache, das ganze Gebäude ist um eine drei Stockwerke hohe Fabrikhalle (modern, bar jeden Charmes) gebaut, in der Halle sind Hallenbad, Kinderspielplatz und Bankett-Flächen untergebracht, die Hotelzimmer im Gebäudeinneren haben Fenster und Balkone in diese Halle, kein Tageslicht, keine Frischluft, es riecht nach Chlor und verschüttetem Bier, nur die Zimmer nach Außen haben auch Außenfenster, die Zimmer selber mit viel gutem Willen vielleicht noch Drei-Sterne-Standard, zu weiche Betten, Kapselkaffeemaschine, primitive Armaturen, schmuddelige Teppich- und Linoleumböden, versiffte Duschvorhänge, es ist ein Graus. Die Hotelhalle mit Rezeption … da gibt es gemütlichere Bahnhofstoiletten, nämliches gilt für die schmucklose gähnend leere Hotelbar und das gähnend leere Restaurant. Die Bedienung allerdings, mangels Gästen für Bar und Restaurant zuständig, ist sowas von einem heißen Feger, dass mir tatsächlich und buchstäblich mal die Luft wegbleibt … und Caro der Kamm schwillt, ob meiner wegbleibenden Luft. Kurz nach uns strömt eine Riege grölender älterer Männer – Herren wäre zu viel gesagt – in die Bar, bestellen eiskalten Ami-Bierersatz und Burger, schreien sich dazu an – sind bei denen alle Hörgeräte auf einmal kaputt oder ist das der Betriebsausflug der schwerhörigen alten Vollprolls? –, schäkern mit der Bedienung, die nicht mit ihren Reizen spart und sie mit Trinkgeldern aufgewogen bekommen wird, ob wir es wollen oder nicht erfahren wir, dass dies ein Klassentreffen ist … aber warum in diesem Hotel erfahren und verstehen wir nicht. Auch ich muss wohl etwas zu sehr auf die Bedienung gestiert haben, jedenfalls drängt Caro gleich nach dem ersten Drink unter dem Vorwand, sie habe nun wirklich Hunger, auf Aufbruch. Wahrscheinlich wird es der jungen Landfrau hinter der Theke in einigen Jahren wie Lucy Jordan ergehen. Armes Ding, noch könntest Du fliehen.

Nach dem gänzlich in’s Wasser gefallenen Mittagessen wollen wir keinerlei Risiken mehr eingehen, und das Hotelrestaurant des Ramadas sieht aus wie ein massives Risiko. Direkt neben dem Haus ist ein Pizza Hut, da kann man ja nun wirklich nichts falsch machen – sollte man denken –, und so krabbeln wir hinter dem Hotel die kleine Böschung zum Restaurant hoch. Restaurant, naja. Die Einrichtung gleicht zehntausenden anderen imperialen System-Schnell-Filialen, beliebig, abgewetzt, ungepflegt, allerdings sehen hier die schmalen Fenster aus wie Schießscharten mit Jalousien, alles ist irgendwie klebrig-fettig, der Boden besteht zur Hälfte aus Fliesen, zur Hälfte aus grobem Teppichboden, und beide wetteifern, wer dreckiger ist, unter den Bänken zahlkreiche große braune Ameisenköder „Do not allow children or pets to play with bait stations“ steht drauf, obwohl das Lokal nach acht Uhr komplett leer ist, stehen auf der Hälfte der Tische noch leergefressene Teller, Pappschachteln, Plastikbecher, Servietten und Unmengen von Lebensmittelresten rum, es riecht nach Essen und schlechtem Fett, das Salat- und das Pizza-Buffet sind leer und dreckig, zwei Bedienungen schauen uns beim Eintreten grimmig an, ihre Blicke lassen einen spüren, dass sie gerade Null Bock haben, noch Gäste zu bedienen, trotz des leeren Lokals haben wir wait to be seated. Wir haben Mary’s Family Restaurant überlebt, also werden wir auch diesen Pizza Hut schaffen. Als ich meine Funke heraushole und anfange zu photographieren, räumen alle anwesenden Mitarbeiter plötzlich wie von der Tarantel gestochen mit kollektiv bösen Blicken die vollen Tische ab; sie scheinen schlechte Erfahrungen gemacht zu haben, sei es mit anonymen Kontrollen des Franchise-Gebers, sei es mit peinlichen Posts auf Social Media Kanälen. Das Essen ist schnell abgehakt. Der gemischte Vorspeisensalat entpuppte sich als Teller voller nicht gewaschenem, zerrupftem, welkem Eisbergsalat mit einem Tomatenschnitz, ein paar Zwiebelringen, einer Scheibe saurer Wabbel-Gurke und vier industriellen Crouton-Brocken. Auf die Frage nach dem gewünschten Dressing – french, italian, cocktail, cesar – hatte Caro „french“ geantwortet und bekommt besagtes Salat-Trauerspiel mit Ketchup obendrauf; ich hingegen hatte  „italian“ geantwortet und bekomme besagtes Salat-Trauerspiel mit Ketchup obendrauf. Die Pizzen sind dann entsprechend, fettig, nicht durchgebacken, vertrockneter Belag, meine extra Peperoni fehlen, lassen wir das.

Wieder einmal missvergnügt gehen wir die Böschung runter zurück in’s Hotel, setzten uns an die Hotelbar, ordern Erdnüsse und Scotch, die Klassentreffen-Jungs sind zwischenzeitlich mächtig in Fahrt, jeder hat sicherlich schon sein viertes oder fünftes Bud, und entsprechend hacke-dicht und laut sind sie. Irgendwann haben wir die nötige Bettschwere und verschwinden in selbigem.


Pizza Hut
22566 PA-68
Clarion, PA 16214
USA
Tel.: +1 (8 14) 2 26 06 00
Online: https://locations.pizzahut.com/pa/clarion/22566-route-68

Ramada by Wyndham Clarion
45 Holiday Inn Rd
Clarion, PA 16214
USA
Tel.: +1 (8 14) 3 24 90 44
Online: https://www.wyndhamhotels.com/ramada/clarion-pennsylvania/ramada-clarion/overview

DZ (Ü/F) US$ 67 bis 89

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top