Alpenhof Augsburg: ganz schön schräg, aber mal etwas Anderes – kurzum, wir haben uns wohlgefühlt

Summa summarum: äußerlich ist der Alpenhof ein baulich wenig ansprechendes Ensemble in einer wenig ansprechenden Lage am Stadtrand Augsburgs. Das macht das Haus mehr als wett mit einem Overkill an Deko, der schon wieder etwas Stylisches und Heimeliges hat. Als Hotel ist der Alpenhof solider Vier-Sterne-Standard mit sehr ordentlichen, individuell eingerichteten, sauberen Zimmern, kleinem SPA samt Pool, gutem Frühstück, umfänglichen Veranstaltungs-Fazilitäten, netten Freisitzen, einer gemütlichen Lounge, ausgesprochen nettem, engagierten Personal, nur das Restaurant enttäuschte uns.

Zuweilen kann es echt schwierig sein, ein Hotelzimmer in Augsburg zu finden, zumal, wenn man für mehrere Tage am Stück eine sichere, komfortable Homebase sucht. Das schöne Dom Hotel ist chronisch ausgebucht (es sei der Familie Illig von Herzen gegönnt), ebenso der urige Fuchs in Steppach und das zentrale Ost am Kö. Das Augusta (mit großer Spielhalle im Haus) und der Augsburger Hof sind so gar nicht meins, beim Hotel am Rathaus weiß man nie, wo man parken soll, gleiches gilt – trotz seiner Zimmer mit hübscher Aussicht – für das Dorint, das Drei Mohren boykottiere ich sowieso, seitdem es in Maximilian umbenannt wurde, außerdem ist es mit dem Pool auf dem Dach nach meinem Dafürhalten unverhältnismäßig teuer geworden, in die ganzen gesichtslosen Ketten von Ibis über Leonardo bis Holiday Inn kriegen mich keine zehn Pferde.

Mehr der Not, denn dem eig’nen Triebe gehorchend, verschlug es uns diesmal in den Alpenhof. Allein die Lage ist alles andere als prickelnd, am äußersten westlichen Stadtrand in einem großen Gewerbegebiet, dazu direkt an einer der Haupteinfallstraßen samt chronisch knarzenden Straßenbahnen. In die Stadt braucht man von hier mit dem Wagen wenigstens 20 Minuten, im Berufsverkehr gelegentlich schon mal deutlich länger. Auch architektonisch ist der Alpenhof kein Kleinod, bestehend aus drei schmucklosen Funktionsgebäuden aus den sechziger und siebziger Jahren mit allerlei Anbauten, gruppiert um einen großen Parkplatz im Inneren des Ensembles (nun ja, wenigstens muss man so keine Autoabstellmöglichkeit suchen). Immer wieder wird die alte Funktions-Bausubstanz durchbrochen von moderneren stylischen Elementen, meist aus rotem Backstein, irgendwie im toskanischen Stil, mit Säulen, Wandverkleidungen, Bögen, Mäuerchen, die alle nicht kaschieren oder aufhübschen wollen, sondern die alte Bausubstanz optisch ergänzen und aufwerten. Die Inneneinrichtung ist – zumal für den unvorbereiteten Gast – sagen wir mal: gewöhnungsbedürftig. Hier trifft Vieles unvermittelt aufeinander: eine schummrige bajuwarischer Gaststube mit rustikalen Holztischen und Butzenscheiben, ein modern eingerichtetes Restaurant, eine Lounge mit wild zusammengewürfelten, aber durchaus wertigen, bequemen Vintage-Möbeln und Kamin, wenigstens drei unterschiedliche, bewirtschaftete, lauschige Freiflächen, dazu zahlreiche Funktions- und Gesellschaftsräume unterschiedlicher Größe für Veranstaltungen jedweder Art. Alles ist dazu fast schon überbordend und wild dekoriert: alte Holzpferde, eine römische Rüstung, übergroße Plastikbuchstaben, einzelne alte Möbelstücke, ein Theaterkostüm, ein funktionsfähiger Plattenspieler samt echten Vinyl-Scheiben, eine historische englische Telephonzelle, monströse, grob geschweißte Stahlskulpturen, Kristalllüster, kitschige Holzfiguren, … Nichts scheint einen Sinn, einen Stil zu ergeben, und doch macht alles zusammen Sinn – ganz abgesehen davon, dass es sich irgendwie heimelig verweilt, in diesem Deko-Overkill.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick in die Geschichte des Alpenhofs, die 1956 als Fernfahrerkneipe namens „Rasthaus Schön“ ihren Anfang nahm. Als die Großeltern der heutigen Besitzer, Ernst und Anna Schön, ihren Betrieb vergrößerten, musste auch noch ein neuer Name her. Der Alpenhof heißt nicht etwa wegen der Nähe zu den Alpen Alpenhof, sondern schlicht und ergreifend, weil das A der erste Buchstabe des Alphabets ist und so das Hotel immer ganz vorne im Telephonbuch stand. Dieses Gespür für Marketing hat sich bis in die heutige Generation erhalten. Statt zu versuchen, aus dem Alpenhof und seiner Bausubstanz irgendwie etwas Einheitliches, scheinbar aus einem Guss zu machen – was wahrscheinlich Umbauten mit Kosten in astronomischen Höhen erfordert hätte – machten die Schöns aus der Not einfach eine Tugend und nannten den Alpenhof „Patchwork Hotel“, wörtlich übersetzt „Flickwerk“, und hier werden tatsächlich einzelne Bauabschnitte und Stile unkaschiert zusammengeflickt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, der Alpenhof hat seinen ganz eigenen Stil.

Lässt man die baulichen und stilistischen Elemente mal außen vor, ist der Alpenhof ein sehr anständiges, gut funktionierendes Vier-Sterne-Hotel mit einem für eine Großstadt moderaten Preisniveau. Die Zimmer sind geräumig, individuell, durchaus gemütlich eingerichtet, zur Straße halt etwas laut, keine versifften Teppichböden, sondern hygienischeres Laminat in Holzoptik, gute Matratzen und Wäsche, meist kleine, aber funktionale Bäder, alles blitzesauber, schnelles Internet, sehr ordentliches Frühstück, unter der Woche sogar mit frisch zubereiteten Eierspeisen, kleines SPA mit kleinem Indoor-Pool und Sauna, für vier Sterne ist das alles tadellos. Dazu ist das Personal durch die Bank weg freundlich, höflich, engagiert, hilfsbereit und der deutschen Sprache mächtig (das ist jetzt kein Rassismus, aber das hilft halt kolossal bei der Kommunikation). Nur das hauseigene Restaurant Schnürschuh konnte uns nicht wirklich überzeugen.

In erster Linie ist der Alpenhof wohl ein Tagungs- und Veranstaltungshotel mit reichlich Fazilitäten. Das hat aber auch zur Folge, dass das Hotel gähnend leer wirkt, wenn gerade keine Veranstaltung ist. Meine Geldgeber würde ich für eine nächste Kreditrunde nicht hierher einladen, wahrscheinlich auch nicht meine Oma, aber für meine Marketingabteilung oder meinen Außendienst, die alle die ewig-gleichen, steril-funktionalen Hiltons und Ibise dieser Welt gehörig satthaben, wäre ein Teammeeting im Alpenhof gewiss mal etwas Positiv-Anderes, vielleicht sogar Inspirierendes.


DZ (ohne Frühstück) 85 bis 170 EURO (pro Nacht und Zimmer), Frühstück pro Person 16,50 EURO extra; Hauptgerichte von 16,90 EURO (Kässpatzen) bis 36,90 EURO (Surf&Turf); Drei-Gänge-Menue von 32,60 bis 62,60 EURO

ALPENHOF Hotel- und Gaststättenbetriebe GmbH
Geschäftsführer: Andreas und Alexander Schön
Donauwörther Straße 233
D-86154 Augsburg
Tel.: +49 (8 21) 4 20 40
Fax: +49 (8 21) 4 20 42 00
Email: info@alpenhof-hotel.de
Online: https://www.alpenhof-hotel.de/

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