Summa summarum: alter, sehr gepflegter Gasthof, seit 140 Jahren in Familienhand, Zimmer je nach Preiskategorie von ordentlich-zweckmäßig bis gemütlich-wohnlich, wunderschöner Innenhof, rustikal-unprätentiöse Gaststuben, in denen man sich ungezwungen wohlfühlt, gehobene, sehr gut gemachte, moderne fränkische Küche ohne Zeitgeistschnickschnack, saftige Preise, die im Endeffekt aber jeden Cent wert sind
Wir sind gerne im Bären, ziemlich genau auf halbem Wege zwischen Augsburg und Kassel, von beiden Städten in zweieinhalb Stunden auf der Autobahn oder in drei bzw. vier Stunden auf Landstraßen durch wunderschöne Landschaften und vorbei an hübschen, alten Städtchen erreichbar. Er liegt mitten in dem alten Weinstädtchen Randersacker vor den Türen Würzburgs zwischen Main und Weinbergen. Der Gasthof besteht aus drei alten – historisch wäre der bessere Ausdruck – Häusern, gruppiert um einen wunderschönen, ruhigen Innenhof mit Gastgarten unter alten Bäumen, die Gaststuben sind fränkisch-rustikal-ungezwungen-gepflegt, die Gästezimmer sind modern, funktional, komfortabel ausgestattet mit Allem, was man heute erwartet, die Zimmer der höheren Preiskategorien – oft mit eigenem Balkon zum Innenhof – sind durchaus auch heimelig, hier könnte man ein paar Wochen verbringen, um in Ruhe und angenehmer Umgebung einen Roman zu schreiben oder um ausgiebige Wanderungen durch die Weinberge zu unternehmen und das nahe Würzburg zu erkunden.


Im Restaurant ist ohne Reservierung zuweilen kein Tisch mehr zu bekommen, und das aus gutem Grund, denn die Küche im Bären ist hervorragend und an sechs Tage in der Woche durchgehend geöffnet, nur Sonntag ist Ruhetag. Geboten wird ausschließlich traditionelle fränkisch-gutbürgerliche Küche im modernen, unprätentiösen Gewand, alles sehr gut und gekonnt gemacht. Neben der Standerdkarte gibt es eine Tages- und eine Saison-Karte – derzeit natürlich Spargel –, insgesamt ein gutes Dutzend Hauptgerichte und je ein knappes halbes Dutzend Vor- und Nachspeisen, mehr braucht es auch nicht, damit fast jeder etwas finden kann. Eine so fokussierte Karte braucht kein Convenience, hier ist alles frisch und handgemacht – und das ausgesprochen lecker!
Was im Bären serviert wird, macht durch die Bank weg einfach Spaß. Die Leberknödelsuppe ist eine richtig gute, goldgelbe, kräftige Rinderbrühe mit Fettaugen, einem großen, wohlschmeckenden Leberknödel und viel frischem Schnittlauch. Der Spargelsalat besteht aus qualitativ hochwertigem, tadellos geschältem, auf den Punkt gegartem Spargel mit leichter Bitternote in einer dezenten Vinaigrette, Schnittlauch, Ei- und Tomatenwürfeln (und die Tomaten schmecken nach Tomate – wo gibt’s denn heutzutage noch sowas?). „Fränkische Bratwürste mit Wirsing und Kartoffeln“ hört sich erst einmal banal an, ist es aber nicht. Hervorragende, mittelgrobe fränkische Bratwürste, Kartoffeln, die nach Kartoffeln schmecken, frisch gekochter, noch leicht knackiger Wirsing in einer dezenten Sahnesauce, dazu eine Rotwein-Schalotten-Sauce, das ist einfache Landküche, zubereitet in Perfektion. Ebenso das aufgeschnittene, kalte Roastbeef mit Remoulade, Bratkartoffeln und Salat: hervorragendes, gekonnt gegartes Fleisch, eine tadellose, selbst gemachte Remoulade, für süddeutsche Verhältnisse sehr gute Bratkartoffeln und ein großer, frischer Salat ohne Dosenware, dafür mit einem leckeren Dressing. Eine kleine Überraschung erlebten wir, als wir Hollunderküchlein (zur Erläuterung: das sind in Ausbackteig frittierte Holunderblüten-Dolden mit Zucker und Zimt) bestellten: ein Koch kam aus der Küche in den Innenhof und erntete frische Blüten von dem in voller Blüte stehenden Holunderbaum, die uns kurz danach in Ausbackteig frittiert serviert wurden – frischer geht’s nimmer. Das Vanilleeis dazu fern jeder Industriewarenqualität einfach nur lecker und zart schmelzend. So macht traditionelle Landküche einfach Spaß.





Zu erwähnen ist unbedingt noch die mittelgroße Weinkarte, die ausschließlich heimische fränkische Positionen aus der Umgebung bietet, darunter viele Alte Reben, Große Gewächse und unfiltrierte Bio-Weine. Wer braucht schon Weine aus Nappa Valley und Südafrika mitten in Franken?
Im Bären sind wir besser-situierten Alten und Mittel-Alten weitgehend unter uns, junge Leute verirren sich kaum hierher. Das mag zum einen der durch und durch traditionell-modernen fränkischen Speisekarte konsequent ohne Kniefälle vor irgendwelchen Zeitgeistern geschuldet sein, im Bären hat man es (zum Glück) nicht nötig, irgendwelche (Tiefkühl-) Flammkuchen, Burger, Bowls und Currys in‘s Angebot zu nehmen, es gibt noch nicht mal einen eigenen Abschnitt „Vegetarisch und Vegan“ auf der Speisekarte, obwohl es einige fleischlose Gerichte gibt. Da ist ein Wirt mit Arsch in der Hose. Ein weiterer Grund für die fehlende Jugend mögen die – zumal für’s Land – durchaus happigen Preise sein. Um nicht falsch verstanden zu werden, 29,50 EURO sind mehr als gerechtfertigt für solch ein Kalbsschnitzel in der Qualität mit herrlich schlorzigem Kartoffelsalat und Salat, nur können sich das – machen wir uns nichts vor – der statistisch repräsentative Azubi oder die Krankenschwester kaum leisten.


DZ (Ü/F) von 130 bis 162 EURO (pro Zimmer) (Suiten sind teurer); Hauptgerichte von 16 EURO (Blaue Zipfel, Meerrettich, Brot) bis 35 EURO (Steak mit Beilagen); Drei-Gänge-Menue von 27,90 bis 68,50 EURO
Gasthof Bären GmbH & Co. KG
Geschäftsführer: Stefan Morhard, Maximilian Morhard
Würzburger Straße 6
D – 97236 Randersacker
Tel.: +49 (9 31) 7 05 10
E-Mail: info@baeren-randersacker.de
Online: www.baeren-randersacker.de

