BY YOL Bielefeld: Türkisch jenseits des Döner-Einerleis

Summa summarum: Gestandenes türkisches Restaurant weit jenseits des üblichen Dönerbuden-Schnellimbiss-Angebots mit ordentlich eingerichteten, großen Speiseräumen, Terrasse, herzlichen Bedienungen, einer großen Auswahl an typisch türkischen Speisen jenseits des altbekannten Döner-Einerleis mit dem Schwerpunkt auf Grillgerichten, hervorragende Fleischqualität, guter Geschmack, große Portionen, hübsch angerichtete Teller, frisch gebackene Brote, ordentliche Salate, typische Meze und Desserts und überwiegend türkische Gäste: empfehlenswert für authentische, gepflegte türkische Küche

Ich jammere ja gerne immer mal wieder darüber, dass die traditionelle deutsche Gastronomie zusehends aus den Innenstädten verschwindet bzw. bereits verschwunden ist und Fladenbäcker, Schabefleischbrater, Reiskocher, Burgerstapler, Bowlschaufler und andere invasive Köche (oder die, die sich als welche ausgeben) die kulinarische Oberhoheit übernehmen. Nicht, dass ich irgendetwas gegen Pizza, Döner & Co. hätte, wenn sie gut gemacht sind, liebe ich sie alle, denn jeden Tag nur teutonischen Schweinsbraten wäre tödlich langweilig. Aber wenn es so gar kein Schnitzel (und falls doch, dann garantiert nicht vom Schwein), kein Gulasch, kein Würstel und keinen Eintopf mehr gibt, dann ist das auch nicht schön; und wenn man den Döner immer wieder ohne Registrierkasse und ohne Kassenbon einfach so über den Tresen gereicht bekommt und niemand – weder Steuer noch Gewerbeaufsicht – da so genau hinschaut, während der normale Wirt schon eine Strafe für einen fehlenden Eichstrich aufgebrummt bekommt, dann ist das alles mehr als ärgerlich, erklärt aber zugleich anschaulich, warum traditionellen Wirten angesichts der Wirtschafts- und der Konkurrenzsituation in Verbindung mit der stets zunehmenden behördlichen Gängelung immer öfter die Puste ausgeht.

In der Bielefelder Innenstadt ist es kaum anders. Entlang der Haupteinkaufsstraße hätte ich kein einziges deutsches Lokal mehr gesehen, dafür aber einen Dönerladen neben dem anderen, selten außerhalb Istanbuls eine so hohe Dichte an türkischen Verköstigungsbetrieben erlebt. Ich gebe zu, ich habe sie nicht alle ausprobiert, doch bereits das äußere Erscheinungsbild hielten mich bei den meisten davon ab, hier tiefer einzusteigen. Allein schon optisch, vom ersten Eindruck hebt sich aus diesem Döner-Einerlei das By Yol ab, zentral zwischen Hauptbahnhof und Fußgängerzone gelegen, keine Imbissbude, sondern ein gestandenes Restaurant auf zwei Etagen samt Plätzen vor dem Haus. Die Einrichtung ist modern und gediegen, die Tische erfreulich weit gestellt, kein orientalischer Deko-Tinnef, sondern zeitgemäßes urbanes Design, nicht wirklich gemütlich, aber auch nicht kantinenhaft-steril. Nur die übergroßen Dönerspieße und ein Holzkohlegrill hinter der Theke erinnern daran, dass man in einem türkischen Restaurant ist, und natürlich die Vitrinen mit Vorspeisen und Desserts. Die meisten Gäste scheinen Türken jeden Alters und jeden Geschlechts zu sein; sowas ist immer ein gutes Zeichen, denn ein Türke weiß gewiss weitaus besser, was ‚gutes türkisches Essen‘ ist als das ein Deutscher tut. Entsprechend bietet die – mit 14 Seiten recht umfängliche – Speisekarte weitaus mehr als das übliche Döner- und Pide-Einerlei normaler Imbissbuden. Dominiert wird das Angebot von Grillgerichten von Rind, Kalb, Lamm, Huhn aller Art in teils riesigen Portionen frisch vom großen Holzkohlegrill, dazu zwei stets rotierende Dönerspieße mit Kalb und mit Huhn. Es gibt eine reichhaltige Auswahl an Meze, Suppen, ein paar Salate und wenig vegetarisches Zeugs, natürlich verschiedene Pide und Lahmacun; ob die angebotenen Pizzen und Nudelgerichte tatsächlich authentisch türkisch sind, vermag ich nicht zu sagen. Besonders erfreulich finde ich zwei wechselnde Tagesgerichte mit Fleisch und Gemüse für 9,90 bzw. 12,50 EURO. Das alles ist – nach eigenen Angaben – alles selbst produziert, ebenso wie die stets frisch gebackenen verschiedenen türkischen Brotsorten. Selbst Alkohol gibt es im By Yol, vom Bier über türkische Weine und den unverzichtbaren Raki bis hin zu fancy Cocktails.

Geschmeckt hat alles vorzüglich. Schon die Meze Vorspeisenplatte für eine Person mit Weißkäse, Gemüsen, Oliven, verschiedenen Dips und Nüssen ist zu zweit kaum zu schaffen. Die Pide als zweite Vorspeise tadellos, heiß, knusprig, lecker belegt. Der Kalbsdöner frisch, bestes Fleisch, kaum Fett, gut gewürzt, teils knusprig, dazu nicht die üblichen Fritten, sondern tomatisierter, raffiniert gewürzter Bulgur, warmes, frisches Brot, reichlich Cacık und ein ordentlicher Salat. Eine mutige Kreation ist der Dönerburger: nicht etwa Dönerfleisch, Grünzeugs, Käse und Sauce zwischen zwei Brötchenhälften, sondern das Ganze eingebacken in einen kleinen Brotlaib frisch und mit heißer Füllung aus dem Backofen. Die gegrillten Lammkotelettes zum Abschluss ein Gedicht an Zartheit und Würzung, nicht – wie leider so oft –hammelig im Geschmack, sondern wirklich nach Baby-Schaf schmeckend. Nur für ein Dessert war dann leider kein Platz mehr.

Zu erwähnen ist sicherlich auch noch die Bedienung: flott und freundlich sowieso, aber dazu auch noch herzlich, ehrlich herzlich, so, wie man es vom gastfreundlichen Volk der Türken abseits der Touristenhochburgen kennt.


Hauptgerichte von 9,90 EURO (Tagesgericht) bis 24,90 EURO (Lammkoteletts oder Steak mit Beilagen); Drei-Gänge-Menue von 20 bis 45 EURO

BY YOL Restaurant · Café · Bar
Kein Geschäftsführer im Impressum genannt
Bahnhofstraße 47
33602 Bielefeld
Tel.: +49 (5 21) 98 62 66 55
E-Mail: info@byyol.de
Online:http://byyol.de/

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