„Das Wirtshaus unter dem Bogen“: eine Schande

Summa summarum: Prominente Lage, gesichtslos totrenoviert, beliebige 08/15-Speisekarte mit bayrischen Klassikern und ein paar Zugeständnissen an den Zeitgeist, ordentlicher Service, durch die Bank absolut unterirdische Küchenleistung, eine Schande für die Stadt Augsburg und für die Augustiner Brauerei

Ich hatte immer gedacht, mit den Albanern sei der absolute Tiefpunkt bayrisch-schwäbischer Küche erreicht, aber weit gefehlt, es geht nochmals deutlich tiefer. Da kommt im Schlepptau der Augustinerbrauerei der Christian Blösl aus München nach Augsburg und übernimmt die ehemalige Traditionsgaststätte „Weißer Hase“ in der Annastraße, die vor Jahren unter der Ägide besagter Albaner ausgebrannt war und dann lange Zeit leer stand. Den Namen bzw. die Marke „Weißer Hase“ haben die Gebrüder Seferi mit in eine der anderen Traditionsgaststätten unter ihrer Kontrolle genommen, so dass das „Capitol“ am Moritzplatz heute irgendwie „Capitol“ / „Weißer Hase“ heißt, der ehemalige „Weiße Hase“ in der Annastraße nennt sich  jetzt jedenfalls „Das Wirtshaus unter dem Bogen“. Nach fast vier Jahren Leerstand hat es die Augustiner Brauerei standard-renoviert, man kennt diesen Stil – bajuwarisch-rustikal – aus Dutzenden von Augustiner-Kneipen, so einfallsreich-individuell-abwechslungsreich wie eine Klopapierrolle, für preußische Touristen reicht’s allemal, um ein Bayern-Feeling zu bekommen, Schwemme im Erdgeschoss, Säle für Festivitäten  darüber, Tische vor dem Haus in der Fußgängerzone, zusammen knapp 300 Plätze. Auch die Speisekarte schon hunderte Male so oder so ähnlich gesehen, natürlich zweisprachig auch Englisch, man will ja schließlich auch die fremdländischen Touristen abzocken … äh, es muss natürlich abholen heißen. Auf der Karte bajuwarische Klassiker vom Wurstsalat bis zum Schweinsbraten, Würstl, Brotzeiten, Suppen, Salate,  sicherlich besonders lecker und täglich frisch gekocht das Hirsch-Edelgoulasch mit Rotwein-Preiselbeer-Birne, Mandel-Broccoli und Semmelknödel für 16,50 EURO, dann noch vegetarisches und veganes Zeugs (man kennt sie ja, die typisch bayrischen Riccotta-Spinatknödel mit Tomatenragout und gehobeltem Parmesan), Kinderkarte mit originellen Spätzle mit Soße, Desserts, das Beste an der Karte ist das Edelstoff vom Fass, eine Seltenheit außerhalb Münchens.

Recherchiert man den neuen Wirt des „Wirtshaus unter dem Bogen“ Christian Blösl im Netz, so offenbart sich auch eine vielfältige Vergangenheit, Campingplatz-Wirt in Olching, Gastwirt im Allianz Sportzentrum in Schwabing, Wirt der „Tafernwirtschaft Großwirt Neuhausen“, kurze Zeit auch Pächter der „Schwaige“ am Nymphenburger Schloss, dort mit viel Medien-Tam-Tam 2006 gestartet, zwei Jahre später still und heimlich beendet, die Süddeutsche schrieb über die Küchenleistung von Blösl und seinem Team in der „Schwaige“ im März 2007 „Unfälle über Unfälle passierten den Köchen – und alle wurden serviert.“, ein Koch wurde auch ermordet und der Torso in Tschechien aufgefunden, aber dafür kann man Blösl wirklich nicht verantwortlich machen.

Doch Menschen können sich bessern, dazulernen. Müssen sie aber nicht. Machen wir’s kurz. Für ein neu eröffnetes Restaurant ist die Service-Mannschaft flott, freundlich, motiviert, das muss man vorab anerkennend sagen. Aber das Essen … Obatzda: homogene, cremige, bis auf Salz, Paprika und Fett weitegehend geschmacklose Masse, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit aus dem großen Eimer, ofenfrische Brezn dazu vom Kellner vergessen, was dann auf Nachfrage verspätet kam, waren gummi-ähnliche, ungesalzene, zähe, absolut unknusprige, kurz erwärmte Backlinge. Tatar geschmacklich garnichtmal so schlecht, allerdings unsäglich breiig, das in der Karte angekündigte geröstete Vollkornbrot entpuppte sich ungeröstetet Wabbelbrot, erst auf Nachfrage wurden kurz am Toaster vorbeigezogene Brotscheiben nachgereicht. Suppen naja, mehr dünne als kräftige Brühe, Flädle aufgeweichte Pfannkuchenstreifen ohne nennenswerten Eigengeschmack, Leberknödel formidable harte Geschosse, viel Brot, wenig Leber, noch weniger Geschmack. Schweinsbraten fett, trocken, hart, leider recht groß portioniert, kurzes Sößchen unklarer Herkunft, dazu ein Kartoffelknödel, so hart, dass man sofort klaglos jede Kanone damit laden und feindliche Linien unter Beschuss nehmen könnte, dazu geschmacklos und kaum in der Lage, Sauce aufzunehmen. Die halbe Ente  teils verbrannt, teils noch reichlich Kiele in der Haut, Haut selber schwarz oder wabbelig, untendrunter fett, von resch keine Spur, das Fleisch hart und trocken und geschmacklos, Sößchen dubios. Das Wiener Schnitzel schließlich wässerig, gräulich, zähes, faseriges Fleisch, Panade angepappt, die Bratkartoffeln kurz in Fett geschwenkte fette, unknusprige Kartoffelstücke, der Salat dazu schlecht geputzt, wahrscheinlich Fertig-Dressing aus dem Eimer.

Der Kellner war dann doch etwas verwirrt bis entsetzt, als er unsere kaum angerührten Teller sah, Obazda und Schweinebraten vielleicht je zur Hälfte aufgegessen, Tatar, Ente und Schnitzel vielleicht je zwei Bissen genommen, sonst hatten wir die Teller nicht berührt. Als ich ungeachtet der vollen Teller die Rechnung verlangte, fragte der Kellner sichtlich irritiert, was denn nicht gepasst habe, wir sagten ihm im Prinzip oben beschriebenes, höflich, der Kellner kann ja nichts für die Küchenleistung; der Kellner versuchte nicht, zu diskutieren oder zu rechtfertigen, vielmehr ging er zur Theke, tuschelte dort kurz (mit wem auch immer), kam dann zurück und verlangte sichtlich peinlich berührt den vollen Preis von uns, nichts von der Rechnung genommen, keine Entschuldigung, noch nicht einmal ein Schnaps oder eine Kaffee auf’s Haus. Wenn Augsburg den Titel „Hochburg schlechten bayrischen Essens“ auch weiterhin verteidigen will, so ist das „Das Wirtshaus unter dem Bogen“ mit dem Pächter Christian Blösl sicherlich ein Garant für den Klassenerhalt. Das erklärt auch, warum das – gesetzlich vorgeschriebene – Impressum auf der Webpage des Etablissements tot ist: ich würde auch nicht wollen, dass mein Namen in Verbindung gebracht wird mit solch einem Dreck, aber wenigstens reicht das fehlende Impressum für eine Abmahnung.


Das Wirtshaus unter dem Bogen
Pächter Christian Blösl
Unter dem Bogen 4
D – 86150 Augsburg
Tel.: +49 (8 21) 80 03 47 00
Email: office@wirtshausunterdembogen.de
Online: www.daswirtshausunterdembogen-augsburg.de

Hauptgerichte von 8,50 € (Quinoataler auf Tomatenragout) bis 26,50 € (Rinderfilet, Speckbohnen, Rotweinjus, Kartoffelgratin), Drei-Gänge-Menue von 19,20 € bis 47,80 €

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Kommentar

  1. Martina Braun

    Zum Anfang hoffe ich das dieser Kommentar auch genauso veröffentlicht wird wie Ihre unkonstruktive Kritik!!!
    Bei Ihrem Besuch im Wirtshaus war ich leider nicht anwesend und kann deshalb keine haltlosen Aussagen treffen dennoch, ,,Sorrry“,aber ich bin wirklich entsetzt!
    Bei einer derart geschriebenen ,,Kritik „könnte man fast glauben,man wurde dafür engagiert oder es stecken private Motive dahinter…oder warum die Suche in der Vergangenheit?
    Nach mittlerweile 38Jahren Berufserfahrung mit Blick auch hinter die Kulissen, nehme ich mir die Arroganz, in manchen Augen auch die Frechheit herraus,
    zu sagen absolut Unprofessionell,
    was auch erklärt,warum nicht (wie es das Recht eines jeden Gastes ist)vorerst die Bezahlung der vollen Rechnung verweigert und nach der Geschäftsleitung verlangt,um ein klärendes Gespräch zu führen.
    Gott sei dank sind die Geschmäcker verschieden, was tagtägliche positive Rückmeldungen, lerre Teller sowie steigende Stammgastzahlen belegen.
    Frei nach dem Motto:
    Gib deinem Gast das, was auch Du erwartest,
    denn: Qualität ist wenn der Gast wieder kommt
    nicht das Essen zurück in die Küche!

    Es tut mir leid das es in ihrem Fall nicht funktioniert hat aber wir sind alle Menschen die auch Fehler machen
    und glauben Sie mir,
    Ein unzufriedener Gast ist für einen Kellner
    wie ein Künstler ohne Applaus

    Mit freundlichen Grüßen Martina B.

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